Birgit´s Bühnen Blog

Probengedanken

In der Endphase der Proben zu FAUST HOCH DREI möchte ich den Versuch wagen, eine Art Zwischenbilanz zu ziehen und die Frage der Schauspielerin Regine Hollmann im meinem Text nach der Aktualität von Goethes Werk - zumindest für mich – beantworten. Die Frage lautet genau: „Was sagt uns dieser Faust heute, der sich selbst als Maß aller Dinge ins Zentrum der Welt setzt und sein Empfinden und Denken über alles stellt?“…

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Faust Hoch Drei

Hurra! Es ist ein „Faust“! Die Geburt war kompliziert und langwierig, aber es ist vollbracht, und die stolze geistige Mutter meldet sich nach einer etwas längeren „Blogpause“, die sie zum Lesen weiterer Sekundärliteratur und für konzeptionelle Gedanken genutzt hat, an dieser Stelle zurück, um ihr „Kind“ dem Licht der Öffentlichkeit auszusetzen.  Der Spross wächst und gedeiht, füllt Seite um Seite. Warum habe ich meiner „Geistesfrucht“ den Beinamen „Hoch Drei“ gegeben?  Der Gründe sind gar viele…

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Das Dritte

Ich möchte an dieser Stelle meinen letzten Text „Funkensprung“ noch ein wenig weiterdenken. 2001 hatte ich Premiere als „Kassandra“ nach Christa Wolf (Regie: Thomas Müller). Die Erzählung begleitet mich bis heute. Es gibt dort eine Textpassage, über die ich immer wieder ins Grübeln gerate. Die Seherin sagt über das Volk der Troja belagernden Griechen: „…sie denken anders. Was nicht sichtbar, riechbar, hörbar, tastbar ist, ist nicht vorhanden. Es ist das andere, das sie zwischen ihren scharfen Unterscheidungen zerquetschen, das Dritte, das es ihrer Meinung nach überhaupt nicht gibt, das lächelnde Lebendige, das imstande ist sich immer wieder aus sich selbst hervorzubringen,…

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Obsessionen

Bericht über den Besuch der Aufführung „Die Möwe“ von Anton Tschechow am 14.10.2014 im Thalia Theater Hamburg


1896 wurde „Die Möwe“ von Anton Tschechow, Komödie in vier Akten, in St. Petersburg uraufgeführt und fiel gnadenlos durch. Erst zwei Jahre später verhalf der Gründer des Moskauer Künstlertheaters und berühmte Theaterlehrer Stanislawski dem Stück des bedeutenden russischen Dramatikers und Schriftstellers Anton Tschechow (1860-1904) zum durchschlagenden Erfolg. Letzteren sah Tschechow selbst gespalten, da ihm die Inszenierung zu rührselig daher kam. Er wollte die Menschen mit seinen Theaterwerken nicht zum Tränen vergießen verleiten, sondern „…einfach und ehrlich sagen: schaut euch an, seht doch,…

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Funkensprung

Wer schon einmal, in welcher Funktion auch immer, auf einer Bühne gestanden und sich einem Publikum präsentiert hat, kennt diesen magischen Moment, in dem der „flow“ einsetzt, in dem man nur noch agiert und sich in die Situation hineinfallen lässt, aus der man sich am Ende wieder bewusst herausholen und auf den vermeintlich realen Boden stellen muss. Leider gehört auch der gegenteilige Fall zum Erfahrungsrepertoire jedes „Darstellers“. Alles was man sagt und tut scheint an einer unsichtbaren, „dritten“ Wand abzuprallen, so sehr…

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Von hinten nach vorne

Nach weiterem Studium der Sekundärliteratur, das noch nicht - wie ich zunächst leichtsinnigerweise annahm -  beendet scheint, und Reflektion der bisherigen Eindrücke und Erkenntnisse auf den #Faust – Text, eröffnen sich neue Ansatzpunkte zur Inszenierung. Oder vorsichtiger ausgedrückt: die in mir entstehenden Bilder werden sichtbarer, greifbarer. Mir scheint es sinnvoll, dem Gedanken zu folgen, dass #Faust I ohne #Faust II nicht denkbar (im doppelten Wortsinn) sei (Ralf Sudau). Immer klarer zeigt sich mir das Bild der gesamten Tragödie als Spiegelung eines menschlichen Lebens- und Erkenntnisweges mit …

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Die "Freie"

Hiermit eröffne ich eine neue Rubrik in meinem Blog. Sie soll mir Raum geben, frei über alles zu assoziieren, zu fantasieren, zu philosophieren, was mich als Theatermenschen umtreibt. Der Begriff der „Freiheit“ wird sich dabei in seiner Doppeldeutigkeit präsentieren. Seit gut 20 Jahren tummele ich mich in der „Freien“ Theaterszene. Als ich diesen Schritt aus dem letzten ablaufenden Zeitvertrag heraus fasste,…

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Meine "Zweitwohnung" - Liebeserklärung an das Thalia Gaußstraße Hamburg

Ich mag das: ein Theater, in dem ich mich zu Hause fühle, wo die netten Menschen am Tresen wissen, dass ich vor der Vorstellung einen Latte trinke, aber bitte „heiß“, wo ich mich in dem großzügigen Caféhaus-Ambiente in Ruhe auf den Kunstgenuss einstimmen und erst mal ankommen kann; ein Ort, an dem das Publikum bunt zusammengewürfelt ist. Vielleicht ist es mein – als Freischaffende – tiefer Wunsch nach einem Fixpunkt, einer festen Größe. Als Theaterbesucherin jedenfalls erfüllt das sogenannte „kleine Haus“ des Thalia Theaters diese Sehnsüchte. „Na schön“, werden Sie sagen, „aber wo bleibt das Eigentliche, das künstlerische Programm?“…

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Schönheit versus Güte

Bericht über meinen Besuch der „Hedda Gabler“, Regie Jan Bosse, am 25.09.2014 im Thalia Theater Hamburg

 

Also, ich habe mich am gestrigen Abend drei Stunden lang keine Sekunde gelangweilt. Was will man mehr von einer Inszenierung, deren Protagonistin behauptet, die einzige Sache, zu der sie auf der Welt Talent habe, sei, sich zu Tode zu langweilen. Was hat mich gefesselt, interessiert oder gar berührt? Ich will versuchen es herauszufinden. Schauen wir uns zunächst die Fakten an. Hedda Gabler, ein Schauspiel in vier Akten, wurde 1890 von dem norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen (1828 – 1906) geschrieben, der 27 Jahre seines künstlerischen Schaffens im Ausland lebte, 17 davon in Deutschland, vornehmlich in München. Ibsen gilt als der „Vater des modernen Dramas“, …

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Von einem, mit dem "geschieht"

Mein Bericht der Aufführung von „Amerika“ nach dem Roman von Franz Kafka am 23. 9.2014 im Thalia in der Gaußstraße Hamburg mit Philipp Hochmair, Regie: Bastian Kraft

 

Soll ich nach 5 Jahren Laufzeit der Inszenierung überhaupt noch darüber schreiben, nach sicher ausreichend vielen Rezensionen dieser Romanadaption? Berechtigte Selbstbefragung. Die Lust obsiegt. Und schließlich ist jeder Blick von außen ein neuer Spiegel, so wie der Schauspieler Philipp Hochmair sich unendlich in der gläsernen „Zelle“ spiegelt, dem zentralen und einzigen Bühnenelement des Stückes, das bei unbeleuchteter Kabine gleichzeitig als Spiegel für die in den ersten Reihen sitzenden Zuschauer fungiert und ...

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